Steuerung, Energieversorgung, Kommunikation
Ausgangspunkt Werkshalle
Einer der technologischen Trends, die die industrielle Produktion vorantreiben, ist die Umsetzung umfassender und fortlaufender Optimierungsprojekte in den Unternehmen selbst und über deren interne Netzwerke hinweg. Auf Keith Nosbusch, Vorstand und CEO von Rockwell Automation, wirkt das folgendermaßen: "Sie können heute sehen, wie die Produktionshallen zum Ausgangpunkt für Interaktion über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg werden."
Die Herausforderung, sauberer, sicherer und energieeffizienter zu produzieren, ist ein weiterer Trend, den Automatisierungsanbieter und Anbieter von industriellen Softwarelösungen als Chance zur Verbesserung der industriellen Produktion begreifen. Wer Nachhaltigkeit nicht als ökologische Spinnerei und Marketingmaßnahme begreift, hat in der Tat gute Aussichten, an einigen entscheiden Stellen Kosten zu reduzieren. Aber auch der Kunde rückt immer mehr in den Fokus der Produktion. Nosbusch spricht von flexibler Herstellung und zitiert ein Beispiel aus der Lebensmittelindustrie. Die 100-Kalorien-Verpackungsgröße sei sicher keine Erfindung der Hersteller. Und doch sei es heute kein Problem mehr, am Morgen die Familienpackung abzufüllen und in der Nachmittagsschicht auf eben dieser Linie die neue Kleinstpackung auf den Weg zu bringen. Flexibilität kann ein leeres Schlagwort sein, kann aber auch tatsächlich bedeuten, umgehend auf geänderte Konsumentenwünsche reagieren zu können.
Umdenken leicht gemacht
Die kommende Generation smarter Technologien wird dringend benötigt, und zwar, um endlich auch der Umwelt gerecht zu werden. Emissionen sollen reduziert werden, es wird darum gehen, 'saubere' Energieformen zu nutzen, z.B. Wind- oder Sonnenenergie. Überhaupt soll der gesamte Energieverbrauch erheblich reduziert werden. Und nicht zuletzt gilt es, umweltfreundliche Konzepte für das Recycling der eigenen Produkte zu entwickeln. Nosbusch zeigte zur Rockwell Automation Fair 2009 in Anaheim seine Vorstellung davon auf, wie Produktionsunternehmen vom passiven zum aktiven Energiemanagement gelangen. Technologie spielte dabei eine entscheidende Rolle. So werden bspw. kostengünstige Sensoren, integrierte Steuerungen und Werkzeuge für das Energiemanagement das Umdenken leichter machen.
Eine Frage der Perspektive
Ist es tatsächlich zu teuer, zu Hause zu produzieren? Diese Frage stellte sich auch Jeremy Leonard, Wirtschaftswissenschaftler für Manufacturers Alliance (MAPI), und rechnete in Anaheim der heimischen Industrie vor, dass dem nicht so sein muss. Die Export-intensive Ausrichtung unserer Wirtschaft macht uns, die Europäer, und ebenso die Japaner zu Nachzüglern des Aufschwungs. Die USA dagegen sind gewaltig im Zugzwang. Deren Betriebe müssen sich schnell erholen, denn ihnen wird nachgesagt, dem Aufschwung vorweg zu laufen. Das ergab der vierteljährliche Blick auf den Markt, den die Analysten vom MAPI Ende 2009 bekannt gaben. Nichtsdestotrotz erwarten sie für den US-amerikanischen Markt eine Arbeitslosenquote von 10% im Jahr 2010 und jeweils ca. ein Prozent Senkungsrate pro Folgejahr. Dazu im Verhältnis wird, so die Einschätzung, der produzierende Bereich latent schneller wachsen als die allgemeine Wirtschaft.

David Bynum, Principal Engineer bei Coca Cola, beschreibt die neue Informationsstruktur seines Unternehmens als Change Management Prozess: "Wir müssen uns von unseren Wurzeln, die in der Automatisierung liegen, entfernen und lernen, welche Informationen eine gute Basis für die Steuerung der Produktion und der gesamten Wertschöpfungskette bilden. Wir sehen in den Gesprächen unseres IT-Leiters mit anderen Abteilungsleitern Grenzen schmelzen und neue Abhängigkeiten entstehen. Das hätte es vor zehn Jahren nicht gegeben."
Im Jahr 2009 waren die Umsätze annähernd aller Branchen der produzierenden Industrien in den USA rückläufig. Im kommenden Jahr sollte es auf breiter Front besser aussehen. Die Produktivität habe sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Löhne und Gewinne sind im Schnitt ein Viertel höher als in nicht-produzierenden Branchen. Eine Dienstleistungsgesellschaft ist nicht in der Lage, so der Analyst, die Wirtschaft eine so großen Landes wie den USA am Funktionieren zu erhalten. Im Großen und Ganzen gibt es also in den USA die gleichen Probleme wie in Europa - nur die eigene Perspektive scheint das jeweilige Gegenüber zu überhöhen. Ob es Gewerbesteuern sind oder um das Thema Fachkräftemangel geht, die heimische Wirtschaft sieht sich vor unüberwindbaren Hindernissen. Parallel dazu schaffen multi-nationale Konzerne Jobs vorzugsweise außerhalb der heimischen Märkte.
Der springende Punkt
Wie setzt man denn nun eine Optimierungs-Strategie in die Praxis um? Eine integrierte Infrastruktur ist das Rückgrat eines solchen Vorhabens. Und ohne Investitionen in bspw. Kommunikations- und Visualisierungs-Werkzeuge wird es nicht gehen - Frank Kulaszewicz,Vice President und General Manager Control and Visualization bei Rockwell Automation, macht keinen Hehl daraus. Informationssysteme sind nach seiner Überzeugung nicht das Tüpfelchen auf dem I bestehender Automatisierungssysteme.
Es ist ein langer Weg zur unternehmensweiten Optimierungsstrategie und mit Procter & Gamble und Coca-Cola haben wir zwei Beispiele auf der globalen Wirtschaftsbühne, die sich von fast einen Jahrzehnt auf diesen Weg begeben haben. Angekommen sind beide noch lange nicht. Eine flexible und agile Wertschöpfungskette ist die Grundlage für den Erfolg auf ganzer Linie - es geht heute darum zu verstehen, wie beides zusammen hängt. Es nützt nichts, wenn sie in der Lage sind, eine enorme Menge zu produzieren. Vielleicht will der Kunde lediglich die Hälfte dieser Menge, vielleicht sollte der Geschäftspartner über Menge und Geschmacksrichtung der heute benötigten Menge informiert sein. Die Verbindung aller Informationen, die sich bis dato verstreut vom ERP über das MES bin hin zu einzelnen Silos im Betrieb fanden, können heute in einer Plattform zusammen gebracht werden.
Mit initialen Investitionen in eine zukunftsträchtige Infrastruktur sichert ein Betrieb das Überleben im globalen Wettbewerb. In der effizienten Verknüpfung und durchgängigen Verbindung des Know-hows aus beiden Welten liegt der Knackpunkt für die Produktion von morgen. Was es zu vermeiden gilt ist 'weißes Rauschen' - zu viel Informationen, die letztendlich nur Chaos erzeugen: "Wir müssen uns von unseren Wurzeln, die in der Automatisierung liegen, entfernen und lernen, welche Informationen eine gute Basis für die Steuerung der Produktion und der gesamten Wertschöpfungskette bilden. Wir sehen in den Gesprächen unseres IT-Leiters mit anderen Abteilungsleitern Grenzen schmelzen und neue Abhängigkeiten entstehen. Das hätte es vor zehn Jahren nicht gegeben," erklärt David Bynum, Principal Engineer bei Coca Cola.
Er beschreibt die neue Informationsstruktur seines Unternehmens als Change Management Prozess, der über die Jahre ein Amalgam aus Engineering- und IT-Projekten hervorgebracht hat. Mittlerweile sei man zu einer Struktur gelangt, in der schnell entschieden werden kann, wie die Systeme effektiv zusammen arbeiten. Man sei aber auch über die schmerzliche Erfahrung dorthin gelangt, dass mehr Visualisierung und mehr Daten aus dem Shop Floor erst einmal die Komplexität einer Entscheidungsfindung erhöhen. Von der Steuerung über die Energieversorgung bis hin zur Kommunikation und Informationstechnologie ist es heute möglich, an einem Strang zu ziehen und die Produktivität durchgehend zu betrachten und permanent zu optimieren. (sph)
IT&PRODUCTION, 04-2010