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So können Unternehmen ihre Software für den weltweiten Wettbewerb rüsten


Fit für den globalen Markt



Ein Produkt, das sich in Deutschland bewährt hat, ist nicht automatisch auch in China oder Südamerika erfolgreich. Die Bedürfnisse der Anwender sind von Land zu Land verschieden. Kulturelle Einflüsse, Sprache, Symbolverständnis sowie länderspezifische Arbeitsweisen beeinflussen, wie Menschen mit einem Produkt umgehen und welche Anforderungen sie an dieses stellen. Nutzer erwarten eine Mensch-Maschine-Schnittstelle, die optimal an sprachliche und lokale Gegebenheiten angepasst ist. Wie können Unternehmen ihr Produkt fit für den internationalen Einsatz machen?

Der Schlüssel zum globalen Erfolg ist die Lokalisierung, das heißt das Anpassen der Produkte an regionale Gegebenheiten. Dazu gehört in erster Linie die Darstellung der Mensch-Maschine-Schnittstelle in der entsprechenden Sprache und Schrift. Aber auch das Berücksichtigen unterschiedlicher Darstellungsformate (Datum, Zeit, Zahlen usw.) und die grafische Gestaltung (Icondesign, Farben, Layout) spielen hier eine Rolle. Doch bevor Hersteller ein Produkt lokalisieren können, müssen Entwickler erst die Software-technischen Voraussetzungen schaffen. Man spricht in diesem Fall von der Software-Internationalisierung.

Durch internationale User-Research-Studien erhalten Hersteller wertvolle Tipps für die Gestaltung international erfolgreicher Produkte. Bild: User Interface Design GmbH
Die Herausforderung: Das Produkt muss verschiedene Sprachen und lokale Infrastrukturen unterstützen, ohne dass nachträglich aufwendige Änderungen im Quellcode notwendig werden. Die Internationalisierung bildet die Grundlage für ein effizientes und einfaches Umsetzen der jeweiligen, landesspezifischen Lösung. Software-Internationalisierung und -Lokalisierung gibt es nicht zum Nulltarif: Produkte fit für den globalen Markt zu machen, verlängert die Entwicklungsdauer und erhöht die Kosten. Doch der Einsatz dieser Ressourcen lohnt sich. Eine qualitativ hochwertige Lokalisierung der Mensch-Maschine-Schnittstelle ist die Voraussetzung, um sich dauerhaft im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Sie ermöglicht Unternehmen, neue Märkte zu erschließen und damit den Umsatz zu steigern.

Herausforderungen von Sprache und Schrift meistern



Weltweit gibt es rund 6.500 Sprachen, die sich in sechs Schriftsysteme gliedern lassen. Die unterschiedlichen Sprachen und Schriften stellen die Entwickler bei der Internationalisierung vor zahlreiche Herausforderungen: Ostasiatische Sprachen wie Chinesisch, Japanisch und Koreanisch bestehen aus vielen tausend Schriftzeichen. Die Eingabe asiatischer Zeichen erfordert daher spezielle Eingabeeditoren. Asiatische Schriften, aber auch Russisch, Finnisch oder Französisch haben eine größere Zeichenmatrix, sodass sie mehr Platz auf dem Display benötigen. Gerade bei kleinen Displays kann dies ein geändertes Bildschirmlayout nach sich ziehen. Beim Gestalten von Bildschirmmasken, Tabellen und Dialogen müssen Entwickler diesen unterschiedlichen Platzbedarf der Sprachen einplanen, damit ein Text vollständig und gut lesbar dargestellt wird. Problematisch wird es bei arabischen Sprachen, da sie von rechts nach links gelesen werden. Dies erfordert nicht nur ein gespiegeltes Fensterlayout, auch Buttons, Icons, Menüs und Checkboxen müssen anders ausgerichtet werden.

Einheiten und Formate: Ein Datum - viele Schreibweisen



Neben dem Übersetzen der Texte müssen Hersteller auch diverse kulturabhängige Daten wie Währungen, Zahlen- oder Papierformate bei der Konzeption und späteren Umsetzung berücksichtigen. So werden Dezimalzahlen und Zahlen im mehrstelligen Bereich international sehr unterschiedlich visualisiert. Auch die Reihenfolge von Tag, Monat und Jahr sowie die verwendeten Trennzeichen (Punkt, Schrägstrich, Trennstrich) bei Datumsangaben variieren von Land zu Land.

Weltweit verständliche Icons gestalten



Symbole, die Nutzer unseres Kulturkreises problemlos verstehen, können in anderen Teilen der Erde ganz andere Assoziationen hervorrufen. So wird die Eule in Europa als Symbol für Weisheit akzeptiert; in Südostasien gilt sie als dummes und böses Tier. Vor allem die Darstellung von Körperteilen oder Gesten kann zu kulturellen Missverständnissen führen: Das Auge ist beispielsweise in einigen Ländern ein Symbol für Überwachung, Angriff oder Sünde. Das Zeigen von Fußsohlen gilt in arabischen Ländern sogar als Beleidigung. Icons, die bei den Nutzern anderer Kulturen negative Assoziationen wecken oder nicht verstanden werden, können letztlich zur Ablehnung des Produkts führen.

Sprachlos: Bedienoberflächen ohne Text



Vor allem Anbieter von Nischenprodukten, die in einer geringen Stückzahl produzieren, wollen den Aufwand für Übersetzungen einsparen und Bedienoberflächen ohne Text gestalten. Rein grafikbasierte Bedienoberflächen sind jedoch aufwendiger zu entwickeln und setzen Kriterien voraus wie einen geringen Funktionsumfang oder eine einfache Navigation.

Internationale Nutzerstudien



Viele landestypische Anforderungen, die sich unter anderem aus der Arbeitsorganisation oder den Lerngewohnheiten ergeben, lassen sich häufig erst vor Ort erfahren. Ein Beispiel aus einer internationalen Studie: Aufgrund der hohen Mitarbeiterfluktuation und der bevorzugten Ausbildungsmethode 'Training on Job' in den USA erachten amerikanische Ingenieure einen 'Easy Start' bei der Maschinensteuerung für äußerst hilfreich. In Deutschland, wo lange Betriebszugehörigkeiten und formale Trainingsphasen üblich sind, wird diese Funktion als Marketing-Feature betrachtet. Internationale User Research Studien helfen, diese versteckten Erwartungen aufzudecken. User Research erforscht systematisch die Nutzer eines Produkts, deren individuelle Bedürfnisse, Aufgaben und Ziele sowie die typische Nutzungsumgebung. Inzwischen gibt es einige spezialisierte Dienstleister, die in der Lage sind, internationale Studien zur Produktgestaltung durchzuführen. Zum Beispiel haben sich Dienstleister aus zwölf Ländern zu dem Netzwerk 'International Usability Partners' zusammengeschlossen. Internationalisierung und Lokalisierung sind unerlässliche Schritte im erfolgreichen Globalisierungsprozess. Von den ersten Planungsskizzen bis hin zur Technischen Dokumentation - Unternehmen sollten Software-Internationalisierung und -Lokalisierung in allen Entwicklungsphasen berücksichtigen. Nur so entstehen Produkte, die Nutzer aus aller Welt intuitiv und effizient bedienen können.

Autoren: Andreas Beu, Manager Industry Solutions, User Interface Design GmbH (UID), und Sven Just, Geschäftsführer der DCC GmbH, sind Mitautoren des VDMA-Leitfadens Software-Internationalisierung.
Internet: www.uid.com   www.dcc-global.de   


IT&PRODUCTION, 02-2010



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