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Product Lifecycle Management in der Modebranche


Herausforderung schnell wechselnde Sortimente



Unter Zeitdruck entwickeln und termingerecht liefern gehört in den meisten Branchen zum Alltagsgeschäft. Eine der schnellsten Branchen ist die Mode. Im Vierwochentakt präsentiert der Handel den Konsumenten neue Kollektionen und verlockt zum Kauf. Nur mit Product Lifecyle Management ist diese Herausforderung professionell zu meistern.

Die Anforderungen der Bekleidungsðbranche an einen PLM-Anbieter sind hoch und vielfältig, deshalb haben hier nur Software-Unternehmen langfristigen Erfolg, die genau dort verwurzelt sind. Zu groß sind die Unterschiede zu anderen Branchen wie dem Maschinenbau.

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Vielfalt und Tempo bestimmen das Szenario



Zahlreiche Produktionsstufen kennzeichnen die textile Kette: Vom Faserhersteller bis zum Konsumenten sind Designer, Textilhersteller, Konfektionäre und der Handel involviert. Dabei ist es unerheblich, ob diese Produktionsstufen in einem vollstufigen Unternehmen zusammengefasst sind oder ob zahlreiche unabhängige Unternehmen zusammenwirken. In allen Fällen müssen die einzelnen Unterprozesse koordiniert ablaufen. Kollektionen umfassen oft 20 bis 200 Modelle aus den unterschiedlichsten Stoffen.

Jedes Modell ist mehrdimensional: Material- und Farbvarianten sowie die Konfektionsgrößen lassen die Zahl der zu verwaltenden Artikel regelrecht explodieren. Der Handel verlagert seit Jahrzehnten das Risiko auf die Markenanbieter, indem er die Menge langfristiger Vorbestellungen kürzt und stattdessen kurzfristige Lieferungen bis hin zu Never-Out-Of-Stock-Angeboten, meist gut verkaufte Standards, im Programm eines Anbieters fordert. Konsumenten und Handel erwarten eine permanente Lieferbereitschaft im 24-Stunden-Modus. Markenanbieter sind ihrerseits bestrebt, ihre Kapitalbindung in Form von Fertigwarenlagern und Verbindlichkeiten gegenüber den Vorlieferanten gering zu halten. Nur schnelle, IT-gestützte Prozesse können helfen, diese Anforderungen auf dem internationalen Beschaffungsmarkt zu erfüllen.

Zwischen Planung und kreativem Chaos



Der Zeitdruck ist groß und wächst kontinuierlich. In den 1980ern waren zwei bis vier Kollektionen pro Jahr üblich, um die Jahrtausendwende galt die Faustregel '90 Tage vom Entwurf bis zum Konsumenten'. Heute, dank der neuen Generation von internetbasierten PLM-Strukturen, ist dieser Prozess auf 60 Tage verkürzt. Die Mode wäre nichts ohne Kreativität - aber ohne systematisches Arbeiten käme kaum ein Modell zum Konsumenten.

Zeit ist der kritische Faktor im Modebusiness, deshalb ist Workflow-Management nach der Methode des kritischen Pfads inzwischen auch in der Bekleidungsindustrie das Kernstück erfolgreicher Planung. Die Lectra Fashion PLM Version V2R1 bietet ein Workflow-Management mit spezifischen To-Do-Listen und Meilensteinen. Gestaffelte Warnfunktionen für terminkritische Aufgaben unterstützen die Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit.

Im Fokus der Textil- und Modedesigner liegen die aktuelle Kollektionsplanung und die trendgerechte Zusammenstellung von Stoffen, Farben und Accessoires. Das marktbezogene Briefing der Produktmanager gibt ihnen den Kollektionsrahmen vor: Anzahl und Art der Modelle sowie vorgegebene Preise im Verkauf. Im Spannungsfeld von Trendinformation und Marktvorgaben entwickeln Designer, ihre Assistenten und Schnittmacher die Modelle für die nächste Kollektion, legen verbindlich alle Details wie Steppnähte und Knopfgrößen fest und prüfen die Passform. An diesem Punkt kommt das internetbasierte Produktdatenmanagement (PDM) ins Spiel. Alle, oft weltweit verstreuten Akteure der Produktentwicklung müssen die für ihren Part notwendigen Informationen jetzt abrufen können. Ein ausgeklügeltes System von CRUD-Zugriffsrechten (Create, Read, Update, Delete) regelt die Sicherheit der Daten.

Produktdatenmanagement zur Fertigungsplanung



Analog zum unternehmensübergreifenden PLM dient das im Lectra Fashion PLM eingebundene PDM der intelligenten Steuerung von internen Abläufen: Neben den reinen Produktdatenblättern mit den Modellspezifikationen und 'Fertigungsanleitungen' für die einzelnen Modelle gibt es Schnittlagepläne für den optimierten Zuschnitt der Stoffe. Parameter für Schnittlagepläne sind Stoffbreite und Rapporte (Musterstoffe), die zu produzierenden Konfektionsgrößen und Mengen sowie Regeln, wie Schnittteile platziert werden sollen. Das System legt automatisch die optimale Kombination und errechnet so den Stoffbedarf für den jeweiligen Auftrag. Ein modespezifisches PLM beinhaltet wichtige Managementinformationen und liefert den Disponenten die notwendigen Kennzahlen. Bereits auf der Verkaufsmesse oder nach den Gesprächen mit A-Kunden rechnet das System die Verkaufszahlen aufgrund historischer Werte hoch und erlaubt so eine rechtzeitige Produktionsmengenplanung und Ordervergabe an die Fertigungsbetriebe.

Vom realen zum virtuellen Muster



Echte Prototypen herzustellen ist zeitaufwendig und kostenintensiv, da die gesamte Produktentwicklung vollzogen werden muss. Entpuppt sich das Modell als Flop, so ist die Investition 'in den Sand gesetzt'. Die Lösung dieser Problematik bietet erst seit wenigen Jahren die virtuelle Kollektionsdarstellung. Virtual Prototyping für die Modebranche muss mehr leisten als für Produktdesign oder Maschinenbau: Die Programme müssen den Fall und die Passform der biegeschlaffen Textilien simulieren. Hohe Rechnerleistungen und komplexe Algorithmen ermöglichen die Simulation von weichen Viskosestoffen, festen Denims oder dehnbaren Jerseys.

Ein Kollektions-Board zeigt verschiedene Modelle mit Farbvarianten einer Kollektion.
Interessant im Zusammenhang mit Textil- und Modedesign ist die Schnittstelle zu den häufig im Design verwandten Programmen Adobe PhotoShop und Adobe Illustrator. Skizzen bzw. Grafiken aus diesen Programmen können nicht nur während des gesamten Design- und Entwicklungsprozesses gemeinsam genutzt, sondern auch bearbeitet, mit Farben und Stoffmustern versehen bzw. dazu genutzt werden, Kollektions-Boards und andere Kommunikationsmaterialien zu erstellen. Die einfache und effiziente Zusammenarbeit beschleunigt den Austausch von Ideen, vermeidet Fehler und schafft mehr zeitlichen Spielraum für kreatives Arbeiten.

3D-Simulationen dienen gleich zwei Zwecken: zunächst der Darstellung des Modells für den Verkauf, bevor noch ein einziges Teil genäht wurde; zugleich aber auch der Kontrolle der Passform anhand der vorbereiteten Schnitte. Virtuelle, anthropometrische Standardfiguren, deren Maße durch die internationalen Reihenmessungen abgesichert sind, und firmenindividuelle Varianten reduzieren den Aufwand für Live-Anproben. Die im wahrsten Sinne maßgeschneiderten PLM-Lösungen bringen Anwendern entscheidende Marktvorteile in der Prozesssicherheit und der Kommunikation mit den zahlreichen, oft wechselnden Zulieferern.

Autorin Karin Schiller ist Senior Consultant Fashion bei der Lectra Deutschland GmbH in Ismaning.
Internet: www.lectra.com   


IT&PRODUCTION, 04-2010



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