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Rollenorientierte Desktops


Fehlende Akzeptanz - ein Problem der Vergangenheit



In vielen Unternehmen ist die Einführung von IT-gestützten Systemen Normalität geworden. Trotzdem gibt es immer wieder Probleme, die sich auf zu geringe Akzeptanz zurückführen lassen. Probleme entstehen besonders häufig dann, wenn nicht nur die Mitarbeiter, die ohnehin tagtäglich mit PCs und Programmen arbeiten, involviert sind, sondern die Systeme auch von Personen bedient werden, für die solche Tätigkeiten eher zur Ausnahme gehören.

Betroffen von der Akzeptanzfalle waren insbesondere Manufacturing- Execution-Systeme (MES), da sie mit ihren Funktionen weit in den Fertigungsbereich reichen, und damit Meister, Schichtführer, Werker, Maschinenbediener und sogar Hilfskräfte tangiert sind. Probleme entstehen verstärkt dadurch, dass sich Entwickler derartiger Systeme nicht immer in die Situation versetzen können, die in der Fertigung tagtägliche Praxis ist. Im Vordergrund steht nicht die IT, sondern die Produktion und Systeme wie MES haben eher den Charakter eines Hilfsmittels, um Daten begleitend zur Fertigung zu erfassen und Werkzeuge zur besseren Steuerung der Abläufe im Shopfloor bereitzustellen. Aus dieser Tatsache ergibt sich die zwingende Forderung, dass MES-Systeme quasi ,nebenher' funktionieren müssen, intuitiv benutzbar sind und ein hohes Maß an Bedienkomfort bieten.

Bild: Georg Fischer Druckguss GmbH

Anforderungen der Produktion an ein IT-System



Um den Problemen bei der Einführung von MES-Systemen bereits im Vorfeld zu begegnen, stehen Projektverantwortliche vor der Aufgabe, ein MES auszuwählen, das vor allem die Anforderungen der Fertigung in hohem Maße berücksichtigt. Erschwerend kommt hinzu, dass MES-Systeme auch eingeführt werden, um Entscheidungsträgern zuverlässige und zeitnahe Aussagen, z.B. zu Effektivitätskennzahlen wie OEE, Nutzungs- oder Ausschussgrad, zu liefern, also eine komplett andere Sichtweise zu unterstützen. In diesem Kontext kommt Systemen wie dem neuen Manufacturing Operation Center (MOC) der MPDV Mikrolab GmbH, die eine rollenbasierte und individuell gestaltbare Menüstruktur unterstützen, eine immer größere Bedeutung zu.

Prozessorientierter Rundumblick in der Fertigung



In der Einführungsphase eines MES werden Rollen definiert, denen anschließend die typischen Anwendungen für Werker, Meister, Arbeitsvorbereitung, Fertigungssteuerung, Instandhaltung, Qualitätssicherung, Personal, Controlling und Geschäftsführung nur noch zugeordnet werden müssen. Der sich daraus ergebende Vorteil besteht im Wesentlichen darin, dass sich die Anwender, die oftmals Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit treffen müssen, nicht durch eine komplexe Menüstruktur mit zahlreichen Mausklicks hindurcharbeiten müssen, sondern durch die Rollendefinition sofort auf die relevanten Funktionen zugreifen können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass sich die angezeigten Informationen nicht nur auf ein Teilgebiet von MES beziehen, sondern immer häufiger der prozessorientierte Rundumblick über alle an der Fertigung beteiligten Ressourcen wie Maschinen, Material, Personal, Prüfmittel, Werkzeuge und andere Betriebsmittel unterstützt werden muss. Hieraus ergibt sich folgende Anforderung: Daten sollen über geeignete MES-Funktionen erfasst und zueinander in Beziehung gebracht werden (horizontale Integration). Gleichzeitig soll die übergreifende Denkweise der Anwender auch innerhalb der Rollen abgebildet werden können. Die übergreifende, vernetzte Denkweise impliziert automatisch auch, dass innerhalb eines Bildschirms mehrere Detailanwendungen platziert werden können (Multi-Window-Funktionalität). Dies macht natürlich nur Sinn, wenn das MES die Fähigkeit besitzt, die Informationsinhalte automatisch zu synchronisieren.

Im Bildschirm eines rollenorientierten MES-Desktops wie dem Manufacturing Operation Center der MPDV Mikrolab GmbH können korrespondierende MES-Anwendungen in Tabellen- oder Grafikform beliebig platziert werden. Die Fensterinhalte werden automatisch synchronisiert, wenn sich die Selektionsparameter oder die Zeilenmarkierungen in der Tabelle ändern.

Individuelle Ansprüche an einen MES-Arbeitsplatz



Über die Rollenorientierung, die auf Funktionseinheiten im Unternehmen ausgerichtet ist, besteht in vielen Fällen auch Bedarf an Bedienoberflächen, die sich eher an Aufgabenstellungen anlehnen. Für die Gestaltung der Menüstruktur eines Manufacturing-Execution-Systems können dann z.B. die Definitionen der VDI-Norm 5600 als Vorbild dienen. In dieser Norm wurden Aufgaben wie z.B. Feinplanung oder Leistungsanalyse definiert. Unabhängig von der rollenorientierten Denkweise wird heute von einem modernen MES erwartet, dass es über ein ausgefeiltes Navigationskonzept verfügt, das ein individuelles Zusammenstellen von Schnellzugriffen in Form von Favoriten ermöglicht und den Direktaufruf von Anwendungen durch Funktionscodes unterstützt. Damit ist die persönliche Einrichtung des Desktops über die voreingestellten Menüs hinaus gewährleistet und jeder Anwender ist ohne tiefgreifende Konfigurationskenntnisse in der Lage, sich seinen Arbeitsplatz zu gestalten. Die eingangs erwähnten Akzeptanzprobleme sollten daher bei richtiger Anwendung der beschriebenen Eigenschaften eines MES der Vergangenheit angehören.

Rollenorientierte IT-Anwendungen



Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens erfüllt innerhalb seines Tätigkeitsprofils bestimmte Aufgaben. Hierzu stehen ihm IT-basierte Werkzeuge zur Unterstützung zur Verfügung, die er täglich benötigt und deren Nutzung ihm über eine Benutzerrolle erlaubt wird. Außerdem können über die Rollen Berechtigungen definiert werden, auf welche Daten der Anwender in welcher Form Zugriff hat.

Über die Definition von Benutzerrollen für MES-Anwendungen ist es relativ einfach möglich, gleichartigen Arbeitsplätzen wie Arbeitsvorbereitern, Meistern, QS-Beauftragten oder Mitarbeitern in der Personalverwaltung ein einheitliches Set an Funktionen zuzuweisen und damit das Customizing und die Systemadministration zu vereinfachen sowie ein einheitliches Bedienkonzept zu unterstützen. Damit werden die Einführungszeiten von IT-Anwendungen verkürzt und signifikante Verbesserungen bei der Bedienung erzielt.



Autor Dipl.-Ing. Rainer Deisenroth ist Mitglied der Geschäftsleitung und Vertriebsleiter der MPDV Mikrolab GmbH in Mosbach.
Internet: www.mpdv.de   


IT&PRODUCTION, 08-2009



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