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Wenn China auf dem eigenen Server liegt

In drei Minuten am anderen Ende der Welt

Zwischen Mühldorf am Inn und Shanghai liegen nur drei Minuten. Diese Weltreise bewältigt das ERP-System beim Hersteller von Steckverbindungssystemen ODU. Der Produzent hat Werke nicht nur in Bayern, sondern auch in China und Rumänien.


Zwischen Mühldorf am Inn und Shanghai liegen nur drei Minuten. Diese Weltreise bewältigt das ERP-System beim Hersteller von Steck- verbindungssystemen ODU. Bildquelle: ODU Steckverbindungssysteme GmbH & Co. KG.

Seit 2001 verfügen die Steckverbindungs-Spezialisten über eine Tochtergesellschaft in Shanghai, im Jahr 2006 wurde eine Niederlassung im rumänischen Sibiu gegründet. "Wir haben vor allem die besonders handarbeitsintensiven Produktionsschritte ausgelagert", sagt Dr. Gerhard Bienek, Projektleiter ERP bei ODU. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Steckverbindungen. Die Kunden kommen aus der Medizintechnik, der Mess- und Prüftechnik, der Militärtechnik, der Telekommunikation, der Automatisierungstechnik, dem Maschinenbau sowie aus der Automobilindustrie. In China werden beispielsweise Steckverbinder für Leiterplatten hergestellt, die Mitarbeiter in Rumänien sind für die Konfektionierung von Kabelsystemen zuständig. Die beiden Tochtergesellschaften sind einerseits rechtlich gesehen eigenständige Firmen, gleichzeitig aber in durchgängige interne Fertigungsprozesse eingebunden. Die Teile und Materialien, die in Rumänien und China verarbeitet werden, stammen zum großen Teil aus Mühldorf. Nach der Verarbeitung gehen die Komponenten zurück nach Bayern, wo sie teilweise ebenfalls wieder weiter verarbeitet werden. Dr. Gerhard Bienek erläutert: "Für unsere Unternehmens-EDV bedeutet das: Sie muss die beiden Standorte als eigenständige Firmen betrachten, die übergreifenden Prozesse aber möglichst so durchgängig abbilden, als handle es sich um eine einzige Firma."

Tochtergesellschaften als eigene Mandanten geführt

In der ERP-Software oxaion business solution werden die Tochtergesellschaften deshalb als eigenständige Mandanten geführt. Das heißt, als eigene organisatorische Einheiten mit eigenen Bewegungsdaten, aber mit denselben Stammdaten wie Teilestämme oder Stücklisten, die über einen gemeinsamen Mastermandaten geführt werden. Diese virtuellen Firmen befinden sich dabei allesamt in Mühldorf auf dem zentralen Server. Möglich ist dies durch die Technologie, die der ERP-Lösung zugrunde liegt. Das System verfügt über eine moderne, so genannte 3-Schicht-Architektur. Das heißt, die Software läuft am Stammsitz auf dem IBM-Mittelstandsserver System i, wo die Daten aller Mandanten zentral vorgehalten und gepflegt werden. In Shanghai und Sibiu ist lediglich der Jet-Applikationsserver (Java Application Technology) installiert, die nötigen Daten überträgt die ERP-Lösung über eine gesicherte Internetverbindung nach China und Rumänien. Die Anwender vor Ort brauchen nur eine Client-Software auf ihren Rechnern, um darauf zuzugreifen. "Wenn wir Daten von Mühldorf nach Rumänien oder China schicken, dann gehen sie de facto lediglich auf unserem Server in Mühldorf von einem Mandanten zum anderen", schildert Dr. Gerhard Bienek den Vorgang. "Die Anwender in Shanghai und Sibiu rufen sie dann im Prinzip nur von dort über das Internet ab". Auf diesem ,kurzen Dienstweg' laufen die Mandanten-übergreifenden Prozesse EDV-technisch ab. Dazu nutzen die Steckverbindungs-Spezialisten die EDI-Funktionalität ihrer Unternehmenssoftware. Die Abkürzung steht für Electronic Data Interchange (Elektronischer Datenaustausch). Mit diesem Verfahren können Firmen kommerzielle Daten wie Bestellungen, Rechnungen oder Lieferscheine auf elektronischem Wege austauschen.

"Wir haben vor allem die besonders handarbeitsintensiven Produktionsschritte ausgelagert", sagt Dr. Gerhard Bienek, Projektleiter ERP bei ODU. Die beiden Tochtergesellschaften sind einerseits rechtlich gesehen eigenständige Firmen, gleichzeitig aber in durchgängige interne Fertigungsprozesse eingebunden.

Bildquelle: ODU Steckverbindungssysteme GmbH & Co. KG.

Daten werden alle drei Minuten getauscht

"EDI garantiert uns, dass unsere Mandanten-übergreifenden Prozesse durchgängig automatisiert sind", erläutert Dr. Gerhard Bienek. Das gilt z.B. bei Bestellungen. Wird ein neuer Kundenauftrag im System erfasst, prüft die Software automatisch, ob genügend Bestand in Mühldorf vorhanden ist. Ist dies nicht der Fall, geht der Auftrag direkt in die Disposition. Hier ist voreingestellt, ob es sich bei dem Teil um Eigenfertigung, Bezug aus China, Rumänien oder einem anderen Lieferanten handelt. Muss das Teil in Shanghai oder Sibiu bestellt werden, erzeugt die ERP-Software automatisch einen Bestellvorschlag, die Preise für die jeweiligen Teile sind in Preislisten hinterlegt. In Mühldorf wird dann der Bestellvorschlag in eine Bestellung übernommen und gedruckt. Die Bestellung geht beim Drucken via EDI direkt an den chinesischen bzw. rumänischen Mandanten. Die Standardfunktionalität ist dabei für den internen Gebrauch so angepasst, dass in den beiden Mandanten sofort automatisch aus der Auftragseingangsdatei der Verkaufsauftrag generiert wird. Sollten für die Fertigung in Shanghai oder Sibiu wiederum Materialien oder Komponenten aus Deutschland benötigt werden, läuft derselbe Vorgang in umgekehrter Richtung ab. Die zu den Bestellungen gehörenden Lieferungen unterstützt die Software analog. "Alle drei Minuten übermittelt oxaion automatisch die anstehenden EDI-Daten zwischen den Mandanten", so der Projektleiter. "Wenn von hier aus eine Bestellung rausgeht und die Kollegen in China oder Rumänien schauen ins System, haben sie die Daten schon drin."

Bildquelle: ODU Steckverbindungssysteme GmbH & Co. KG.
Bildquelle: ODU Steckverbindungssysteme GmbH & Co. KG.
Autor Stephan Dürr ist PR- & Marketingleiter bei der oxaion ag in Ettlingen.
Internet: www.oxaion.de   


IT&PRODUCTION, 12-2008


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