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Automation IT: Neues OPC-Zertifizierungs-Programm


Geschäftsvorteil mit Qualität und Verlässlichkeit



OPC ist in den vergangenen 12 Jahren zu einem lebendigen Teil der Fertigungs- und Prozessautomatisierung, die Standards zu einer "Daten-Drehscheibe" für die Steuerungs- und Automatisierungs-Industrie geworden. Sämtliche Systeme - von den Sensoren einer Anlage bis hin zum ERP-System - werden über offene Standards verbunden, was die Verwendung von OPC zu einem erheblichen Geschäftsvorteil macht. Die OPC Foundation hat deshalb eine unabhängige Labor-Zertifizierung ins Leben gerufen, um die Qualität und Verlässlichkeit von OPC-Produkten sicherzustellen. Grund genug für ein Gespräch zwischen Tom Burke, Präsident der OPC Foundation, und der Fachzeitschrift IT&Production.

Stefanie Philipp: Herr Burke, wozu wurde das neue OPC-Zertifizierungs-Programm ins Leben gerufen?

Tom Burke: Die OPC Foundation muss sicherstellen, dass alle Nutzer bestmöglich mit Hilfe von OPC-basierten Produkten arbeiten können. Wir haben das sogenannte "OPC Foundation 3rd Party Enhanced Certification Program" als Teil des OPC Unified Architecture (OPC UA)-Entwicklungsprogramms aufgesetzt. Nach intensiver Analyse durch Umfragen und Feedback anderer Standardisierungsorganisationen und natürlich der Endanwender kamen wir zu dem Schluss, dass die Einführung eines unabhängigen und verbindlichen Zertifizierungsprogramms der beste Weg ist, den Bedürfnissen von Endanwendern nach hoher Qualität und Verlässlichkeit gerecht zu werden. Eine der Hauptaufgaben für die Zertifizierung war es, eine unabhängige Labor-Testumgebung zu schaffen und ein neues Logo-Programm zu starten, damit die Anwender OPC-zertifizierte Produkte sogleich erkennen. Die Zertifizierung in einem Testlabor ist eine logische Weiterentwicklung. Schließlich hat sich OPC von einem einfachen offenen Standard für HMI-Anwendungen hin zu einem lebendigen Verbindungsstück in Industrie- und Prozessautomatisierungs-Systemen entwickelt.

Stefanie Philipp: Warum wurden die bestehenden Compliance-Programme nach mehr als 12 Jahren bestehender Arbeit ausgeweitet?

Burke: Die OPC-Technologie wird ständig angepasst und in Produkte und Kundenlösungen eingebaut. OPC deckt einen immer größeren Bereich an Applikationen ab, insbesondere weil man mittlerweile gelernt hat, dass die einfache OPC-Schnittstelle eine hochwertige Funktionalität besitzt und damit den schnellen Einsatz von Applikationen ermöglicht. OPC wird mittlerweile in einem viel weiteren Einsatzfeld genutzt, so dass es nun auch deutlich mehr Kombinationen von Systemen gibt, die mittels OPC zusammenarbeiten können. Um in diesem Umfeld Interoperabilität sicherzustellen und Probleme in Hinblick auf Verlässlichkeit, Leistung und Problemfallverhalten mit anderen Systemen zu verhindern, wurden neben der reinen Compliance mit dem Standard auch andere Aspekte wichtig. Infolgedessen hat die OPC Foundation in Zusammenarbeit mit Lieferanten und Endanwendern ein erweitertes Zertifikationsprogramm ins Leben gerufen. Dabei stellte sich heraus, dass die Anforderungen nur mit einer unabhängigen Labor-Zertifizierung abzudecken sind. Das ist eine logische Weiterentwicklung für den Industriestandard analog zu ähnlichen Vorgehensweisen bei Feldbusorganisationen.

Tom Burke, Präsident der OPC Foundation: "Die Organisation hat schnell herausgefunden, dass die Mehrheit der Probleme hinsichtlich Interoperabiltität von denjenigen Herstellern verursacht wird, die ihre Produkte nicht ausreichend gegen Produkte anderer Hersteller getestet hatten und die Testtools der Foundation nicht nutzen."
Stefanie Philipp: Wie verbreitet ist die OPC-Technologie derzeit?

Burke: Marktforschungsuntersuchungen belegen, dass über 2.000 Hersteller von integrierten Produkte die OPC-Technologie verwenden. Es sind mehr als 17.000 unterschiedliche OPC-Produkte auf dem Markt. Zusätzlich gibt es zahlreiche individuelle Anwendungen und andere Einsatzgebiete, in denen OPC genutzt wird. Aus diesem Grund ist die unabhängige Labor-Zertifizierung nicht nur für den neuen Standard OPC UA, sondern auch für die bereits etablierten Standards verfügbar.

Stefanie Philipp: Welche Bestandteile hat das Zertifizierungsprogramm?

Burke: Das Zertifizierungsprogramm besteht aus den Elementen Compliance Test Tools (CTT), Interoperability Workshops (IOP) und unabhängigen Labor-Zertifizierungen. Die Compliance Test Tools ermöglichen es den Entwicklern, die OPC-Server-Schnittstellen selbst zu testen und zu verifizieren. Derzeit sind solche CTTs verfügbar für OPC DA-, A&E-, HDA- und XML-DA-Spezifikationen. Mit ihnen wird die Selbstzertifizierung von OPC-Servern durchgeführt. Die Interoperability Workshops finden jedes Jahr in Japan, Europa und den USA statt. Alle Teilnehmer testen ihre eigenen Produkte gegen die der anderen Teilnehmer und überprüfen damit die Interoperabiltiät. Unabhängige Zertifizierungs-Testlabore bieten darüber hinaus eine reproduzierbare Umgebung, in der Interoperabilität, Funktionalität, Verhalten, Performance, Usability und Langzeitverhalten getestet werden können. Ein wesentlicher Punkt der Testlabore ist, dass sie eine Erweiterung der bestehenden Zertifizierungsbestandteile CTT und IOP sind.

Stefanie Philipp: Wo liegt der Nutzen des Programms für Mitglieder der OPC Foundation?

Burke: Es bringt deutliche Vorteile für die mehr als 480 Mitglieder der OPC Foundation und für die Nutzer von OPC-Produkten. Die Hersteller von OPC-Produkten werden Kosteinsparungen realisieren können, denn wir haben das Programm so aufgelegt, dass potenzielle Probleme hinsichtlich Produktqualität und Interoperabilität lange vor dem Markteintritt gelöst werden können. So können die Kosten für Support und Änderungen nach dem Markteintritt reduziert werden.

Stefanie Philipp: Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass das Zertifizierungsprogramm auch gelingt?

Burke: Die unabhängige Labor-Zertifizierung wurde nach dem Vorbild der erfolgreichen Einführung der Laborzertifizierung bei Foundation Fieldbus and Profibus modelliert. Bei Definition und Aufbau des ersten OPC-Testlabors war uns eine Zusammenarbeit mit diesen Organisationen sehr wichtig. Insbesondere haben wir eine Menge aus der langjährigen Erfahrung bei der Profibus-Zertifizierung gelernt. In Zusammenarbeit mit den Herstellern arbeitet die OPC Foundation an einer größeren Sichtbarkeit der OPC Compliance-Zertifizierung im Zusammenhang mit Kaufentscheidungen. Die Organisation hat schnell herausgefunden, dass die Mehrheit der Probleme hinsichtlich Interoperabiltität von denjenigen Herstellern verursacht wird, die ihre Produkte nicht ausreichend gegen Produkte anderer Hersteller getestet hatten und die Testtools der Foundation nicht nutzen. Dies war die treibende Kraft hinter der Entwicklung des Programms. Die tatsächliche Bedeutung aber besteht darin, dass die Bedürfnisse der Endnutzer zum Tragen kommen. Endnutzer verlangen sichere und verlässliche Interoperabilität im Sinne von Plug&Play. Nutzer wissen, dass es in der Welt der Consumer-Elektronik selbstverständlich ist, dass die Dinge einfach so funktionieren - auch wenn Produkte verschiedener Hersteller verwendet werden. Dasselbe wird heute von Automatisierungsstandards verlangt, wenn dort Lösungen aus Produkten verschiedener Hersteller zusammengesetzt werden.

Stefanie Philipp: Warum fiel die Entscheidung bei der Eröffnung des ersten Testlabors auf ascolab und wie geht es weiter?

Burke: Alle Mitglieder des Compliance-Komitees haben viel Arbeit und Zeit in die Entwicklung der notwendigen Spezifikationen investiert. Zusätzlich wurde als Bestandteil der Laborzertifizierung von einer Vielzahl von Herstellern Hardware und Software für Interoperabilitätstests zur Verfügung gestellt. Wir danken den Herstellern für die Bereitstellung der Referenzprodukte. Die Firma ascolab hat viele Jahre OPC Compliance-Erfahrung durch die Entwicklung und Pflege der Testtools der OPC Foundation. Sie betreut auch die Selbstzeritifzierung von OPC Clients bei Interoperability Workshops. Diese Erfahrung haben wir genutzt, um ein erstes Testlabor in Europa zu etablieren. Weitere Testlabore werden wir in Nordamerika und Asien eröffnen.

Stefanie Philipp: Wie können Anwender ermitteln, welche Produkte zertifiziert wurden?

Burke: Auf der Website der OPC Foundation ist eine detaillierte Übersicht der OPC Compliance-Testergebnisse einsehbar. Die Suchmaschine für Produkte ist so eingestellt, dass die zertifizierten Produkte bevorzugt angezeigt werden.

OLE for Process Control (OPC) war der ursprüngliche Name für standardisierte Software-Schnittstellen für den Datenaustausch zwischen Anwendungen unterschiedlicher Hersteller in der Automatisierungstechnik. Die neueste OPC-Spezifikation ist die OPC Unified Architecture (OPC UA). Tom Burke ist Präsident der OPC Foundation.
Internet: www.opcfoundation.org   


IT&PRODUCTION, 06-2008



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