ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
Beitrag drucken

Softwareentwicklung mit Scrum und Co.

Technisches Neuland
agil erschließen

Viele Unternehmen müssen ihre bewährten Legacy-Systeme pflegen und gleichzeitig im Rahmen der digitalen Transformation neue integrieren. Um die Technik aus verschiedenen Generationen zu einer homogenen IT-Landschaft zu vereinen, muss das Wissen um die alten Systeme in neuen Projekten zur Verfügung stehen. Diese enge Kollaboration über Abteilungen hinweg lässt sich mit agilen Entwicklungsmethoden wie Scrum hervorragend orchestrieren.

Agiles Projekt-Controlling (Bild: Profi Engineering Systems AG)

Bild: Profi Engineering Systems AG

Viele Unternehmen haben über die Jahr viel Kompetenz im Umgang mit ihren Legacy-Systemen wie IBM System I, RPG oder DB2 aufgebaut. Wenn dieses Wissen etwa aufgrund von Ruhestandsabgängen aus dem Unternehmen abfließt, lässt sich das kaum noch kompensieren. standssysteme müssen sicher gepflegt werden, wenn sie in Umgebungen ihren Dienst verrichten sollen, die auch neue Anforderungen wie Big Data, Datenanalyse, Cloud-Computung und Mobilität adressieren. Das IT-Systemhaus Profi Engineering Systems AG hat in Projekten die Erfahrung gesammelt, dass diese Herausforderungen nicht alleine durch Technik zu lösen sind. Entscheidend ist der methodische Lösungsansatz. An dieser Stelle kommen agile Vorgehensmodelle ins Spiel.

Agile Methoden führen Abteilungen zusammen

Risikominimierung, Planungssicherheit, Qualitätsmaximierung bleiben zentrale Aspekte bei IT-Projekten. Aber es kommen immer öfter Kriterien hinzu, die vom Einsatz agiler Vorgehensweisen profitieren. Wie schnell können neue Anwendungen in Produktion gehen und wie schnell können Geschäftsprozessänderungen oder neue Abläufe in Betrieb genommen werden? Wie oft können Releases und Updates live gestellt werden? Diese Fragen motivieren sich alle aus der Notwendigkeit, dass die IT-Anwendungen eines Unternehmens heute sehr viel häufiger und schneller den Marktbedingungen angepasst und erneuert werden müssen. Als Konsequenz müssen Deployment-Zyklen mithilfe beschleunigter Softwareentwicklungs-Prozesse verkürzt werden. Das lässt sich erreichen, indem Software in kleinere Teile geschnitten wird, was mit einer Verdichtung von Kompetenzen einher geht. Was Unternehmen nicht gebrauchen können, sind langwierig erstellte Pflichtenhefte oder Spezifikationen, die zum Zeitpunkt der Implementierung bereits veraltet ist. Agil strukturierte Softwareentwicklung hilft dabei, Anwendungen in in kurzen Iterationen zu definieren, zu implementieren, zu testen und auszurollen. Viele Unternehmen denken an dieser Stelle bereits in Zeiteinheiten von Wochen oder Tagen. Die Verdichtung der Kompetenzen verlangt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in einem ‚Cross-Functional-Team‘. Um Software in so kurzer Zeit qualitativ hochwertig umzusetzen, müssen alle notwendigen Kompetenzen, das bedeutet die dafür erforderlichen Personen, zielgerichtet zusammen arbeiten. Das betrifft diejenigen aus dem Management, den unterschiedlichen Fachbereichen, der Software-Entwicklung, den Operations und der Infrastruktur gleichermaßen. Die agile Methodik ‚Scrum‘ bietet für diese Zusammenarbeit einen bewährten Rahmen. Mit dieser Methode lässt sich das Miteinander der Kollegen unterschiedliche Fachbereiche orchestrieren. Dadurch ist auch eine Basis vorhanden, die in kurzen Iterationen, den sogenannten Sprints, Ergebnisse produziert. In Kombination mit einem hohen Automatisierungsgrad im Bereich Testen und im Bereich des Deployments lassen sich die Lieferprozesse für Anwendungen beschleunigen (Continuous Delivery) und teilweise auf wenige Tage verkürzen.

Projekte agil steuern

Wie verhält es sich mit traditionellen Aspekten wie Planungssicherheit, Risikominimierung und der Projektkontrolle? Agile Projektkontrolle ist in der Praxis bisher wenig verbreitet. Die Lösung kann eine konsequente Ausnutzung agiler Rahmenwerke bieten. Auf der Basis von Scrum lassen sich beispielsweise Erfahrungswerte wie die Team-Performance und die Team-Geschwindigkeit messen. Diese Werte ermöglichen es, genaue Prognosen abzuleiten. Innerhalb von Minuten können die Konsequenzen in punkto Aufwand und Kosten neuer funktionaler Anforderungen bestimmt werden. Die Genauigkeit dieser Prognosen steigt im Verlauf eines agilen Projektes. Agiles Controlling basiert auf dem Aufbau einer empirischen Datenbasis, die beispielsweise durch das ‚Sprint-Burndown-Chart‘ oder das ‚Release-Burndown-Chart‘ visualisiert werden kann. Im Ergebnis bieten agile Methoden meist eine deutlich bessere und aussagekräftigere Planungssicherheit als klassische Methoden. Eine weitere Eigenschaft agiler Methoden ist die Risikominimierung. Durch die kurzen Lieferzyklen in Verbindung mit Transparenz und effektiver Projektkontrolle lässt sich der aktuelle Status meist sehr genau ermitteln. Der Qualitätsaspekt ist ein weiteres wichtiges Merkmal agiler Vorgehensweisen. Pro Sprint muss jede Aufgabe die ‚Definition of Done‘ erfüllen. Diese fungiert als Quality Gate und bietet auf kleinster Ebene bereits eine Qualitätskontrolle, wie sie in klassischen Projekten in der Regel nicht zu finden ist.

Technisches Neuland betreten

Künftige Herausforderungen dürften sich mit agilen Methoden deutlich effizienter bestehen lassen, wobei die Ansätze individuell auf die Rahmenbedingungen im Unternehmen auszurichten sind. Grundsätzlich sind agile Ansätze in jedem Unternehmen umsetzbar und technikneutral. Hinzu kommt, dass agile Methoden sehr gut in Kombination mit modernen Lösungsansätzen eingesetzt werden können, speziell im Bereich der Automatisierung von Tests und des Deployments. Aufgrund der engen Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team sind Aufgaben besonders gut lösbar, wenn sie sich in einem heterogenen Technologie-Umfeld abspielen. Um Lösungen aufzusetzen, lohnt die Ausarbeitung eines strategischen Plans, der im Kern agile Rahmenwerke und die Continous Delivery- und Continuous Integration-Prozesse berücksichtigt. Dabei ist davon abzuraten, Themen wie Scrum, Open Source, Java Enterprise und so weiter auszuklammern, nur weil sie für das Unternehmen technisches Neuland bedeuten.

Fokus Systems Engineering

Agile Entwicklungsmethoden gelten vielen als Schlüssel, um immer komplexere Produkte schnell auf den Markt bringen zu können. Dieser Artikel ist der Auftakt einer Reihe zu aktuellen Methoden und Ansätzen für zeitgemäße Formen der kollaborativen Produktentwicklung. Im nächsten Heft beleuchtet ein Beitrag den Vorteil agiler Ansätze für das Systems Engineering.


Das könnte Sie auch interessieren

Viele Unternehmen gehen ohne Sicherheitsstrategie in die Cloud

Die Cloud-Nutzung in der Wirtschaft boomt: Zwei von drei Unternehmen ab 20 Mitarbeitern haben in Deutschland im vergangenen Jahr Cloud Computing eingesetzt. Eine Studie von Bitkom Research zeigt, dass gerade kleinere Unternehmen dabei auf eine Sicherheitsstrategie verzichten. ‣ weiterlesen

Plattform für die Fertigungs-IT

Der MES-Hersteller MPDV hat das Konzept einer IT-Plattform für den Shop Floor vorgestellt. Diese Datendrehscheibe soll es Anwendern erlauben, MES-Funktionen zu nutzen und gleichzeitig andere produktionsnahe IT-Systeme darin zu integrieren. ‣ weiterlesen

Objektdaten und Schlüsselvergabe verwalten

Wenn Mitarbeiter mit übergroßen CAD-Plänen durch die Werkshalle gehen und vergeblich nach einer Anschlussdose suchen oder Räume unauffindbar sind, weil die falschen Raumnummern hinterlegt wurden, hapert es im Facility Management. Das Problem: Die dahinterliegende Dokumentation ist oft lücken- und fehlerhaft oder wird sogar doppelt und dreifach vorgenommen. In Zeiten, in denen Effizienz in allen Bereichen eines Unternehmens gefragt ist, ein Unding. Um solche Szenarien zu umgehen und Prozesse zu beschleunigen, setzt die MTU Aero Engines eine IT-Lösung zur technischen Dokumentation ein. ‣ weiterlesen

Die globalen Supply Chains mögen hinsichtlich Effizienz und Effektivität fein austarierte Gebilde sein. Vor Unwägbarkeiten sind sie jedoch keinesfalls sicher. Wachsende Komplexität erhöht die Risiken einer Störung. Mit der passenden Software lassen sich die Gefahren aber gut in den Griff bekommen. ‣ weiterlesen

Durch die Digitalisierung sollen hiesige KMU ihre Produktivität verbessern und auf dem weltweiten Markt mithalten können. Um auch Unternehmen mit weniger Ressourcen digitale Helfer zur Verfügung zu stellen, arbeiten Forschung, IT-Firmen und Produzenten im Rahmen des Projektes ‚Enable KMU‘ am Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie (IPT) derzeit an einer App-Plattform für industrielle Anwendungen. ‣ weiterlesen

Mittelstand ist fit für die vierte Revolution

Erfolgsgarant für die digitale Transformation in Deutschland ist die enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, um Ergebnisse aus der Spitzenforschung in die industrielle Anwendung zu bringen. Dieses Fazit zogen 280 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft auf dem zweiten Fachkongress ‚Industrie 4.0 in der Praxis‘ am 11. und 12. Mai in Paderborn. Sie diskutierten Lösungen, Erfahrungen und künftige Herausforderungen auf dem Weg zur intelligenten Produktion.

‣ weiterlesen