Eigenbanner: i-need (Super-Banner
ANZEIGE
Eigenbanner: I40-Magazin Skyscraper
Beitrag drucken

Offenes ERP

Alle Macht dem Anwender

Flexible Modelle zur Software-Nutzung, durchgängig automatisierte Prozesse, geringere Kosten – mit dem Fortschreiten der Digitalisierung eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, Geschäftsprozesse effizienter und wirtschaftlicher zu machen. Doch neue Implementierungsmodelle wie Software-as-a-Service stellen ERP-Anbieter vor Herausforderungen, denn eine individuelle Anpassung der Lösung für den Kunden ist auf Code-Ebene nicht mehr möglich. Daher sind alternative Anpassungsmodelle gefragt. Das ERP-System der Zukunft muss sich für die Anwender öffnen.



Bild: ©Sergio Donà/ – Fotolia.com

Kaum ein Lebensbereich, der seit dem Siegeszug der Digitalisierung und ihrer neuen Technologien nicht effizienter, schneller oder schlicht bequemer wird. Vor allem im privaten Bereich sind es Anwender heutzutage gewohnt, ihre Bankgeschäfte zu jeder Tages- und Nachtzeit zu tätigen, von unterwegs aus im Internet zu shoppen und mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Die Software im digitalen Zeitalter ist mobil, flexibel und leicht zu bedienen – Eigenschaften, die Anwender zunehmend auch von den Lösungen erwarten, die sie im beruflichen Alltag nutzen. Um diesem Anforderungsprofil gerecht zu werden, rücken zunehmend Alternativen zur klassischen Implementierung der zentralen Unternehmenssoftware im eigenen Rechenzentrum in den Fokus der Geschäftsführer. Die Nutzung des ERP-Systems als Software-as-a-Service-Angebot etwa verspricht Vorteile – solange die Lösung die notwendigen Voraussetzungen für einen effizienten Betrieb in der Cloud erfüllt.

Schluss mit passgenauen Lösungen?

Die Vorteile einer Cloud-basierten Implementierung liegen auf der Hand: Da die Bereitstellung und Wartung der Software vollständig in den Händen des Anbieters liegt, sinkt der entsprechende Aufwand für die IT-Verantwortlichen im Unternehmen deutlich. Gleichzeitig können Firmen sicherstellen, dass ihre Anwender jederzeit mit der aktuellsten Version der Lösung arbeiten – abgesehen von verbesserten Funktionalitäten verschafft dies Unternehmen wichtige Vorteile hinsichtlich Stabilität und Sicherheit. Schließlich ermöglicht eine Cloud-basierte Nutzung eine größere finanzielle Flexibilität. Je nach Kostenmodell können Kunden Services ganz nach Bedarf hinzubuchen oder abbestellen, sodass sie nur dann für die entsprechenden Komponenten zahlen, wenn sie diese auch tatsächlich nutzen. Bei allen Vorteilen bringt die Cloud für ERP-Lösungen jedoch auch eine zentrale Einschränkung mit sich: In der Cloud lassen sich keine Änderungen am Quellcode durchführen, die Lösungen können dem Kunden immer nur im Standard zur Verfügung gestellt werden. Denn nur so lässt sich das Wirtschaftlichkeitsversprechen der Cloud in vollem Umfang einlösen. Hosting- oder Managed-Services-Modelle sind demgegenüber hinsichtlich Kosteneinsparungen immer nur die zweite Wahl. Aber auch wenn sich generell eine Tendenz zum Standard abzuzeichnen scheint – gerade im Mittelstand versuchen Unternehmen immer stärker, individuelle Anpassungen aufgrund des höheren Wartungsaufwands zu vermeiden – können Anwender nicht in jedem Fall auf individuelle Anpassungen verzichten. Vor allem die zentralen Alleinstellungsmerkmale eines Unternehmens basieren in vielen Fällen geradezu per definitionem auf Produkten und Prozessen, für die der ERP-Standard keine Entsprechung im System bereitstellt. Aus diesem Grund müssen Anbieter, die ihre ERP-Lösung in der Cloud verfügbar machen, ihren Kunden entsprechende Möglichkeiten bieten, Spezialprozesse auch ohne Eingriff in den Programmcode abzubilden – zum Beispiel rein auf Konfigurationsbasis.

Individuelle Anpassungen im Standard



Christian Leopoldseder, Vice President Operations bei Asseco Solutions

Nicht zuletzt aufgrund des immer stärker zunehmenden Wettbewerbes sind gerade mittelständische Unternehmen einem kontinuierlichen Innovationsdruck unterworfen. Unter Umständen werden so im Laufe der Zeit neue Produkte Teil des Portfolios, die Merkmale aufweisen, für die der bisherige Artikelstamm keine entsprechenden Felder zur Verfügung stellt – eine individuelle Anpassung wäre notwendig. Um in diesem Fall auf einen Eingriff in den Programmcode zu verzichten, können ERP-Anbieter beispielsweise adaptive Datenfelder bereitstellen und damit den Anpassungsaufwand auf Konfigurationsebene lösen. Über adaptive Datenfelder sind Anwender in der Lage, die benötigten Änderungen im System ohne Programmieraufwand und unmittelbar aus der Arbeitsoberfläche heraus durchzuführen. Die neuen Attribute wiederum lassen sich bei Bedarf automatisch an andere Objekte wie Angebote oder Aufträge weitervererben und können darüber hinaus in einfache Geschäftslogiken eingebunden werden: Wirkt sich eine neue Oberflächenbeschichtung beispielsweise auf den zugehörigen Preis aus, lässt sich dies mithilfe eines einfachen Java-Skriptes abbilden, sodass auch hierfür kein Eingriff in den Programmcode erforderlich ist. Ein zweiter Bereich, in dem individuelle Anpassungen oft unerlässlich sind, ist die Anbindung von Drittlösungen an das zentrale ERP-System. Um eine effiziente Kommunikation zwischen beiden Systemen zu gewährleisten, wird hierzu in der Regel speziell für die benötigte Verbindung eine individuelle Schnittstelle entwickelt. Um eine Integration von Drittlösungen auch in Software-as-a-Service-Modellen zu ermöglichen, könnten ERP-Systeme hierzu zum Beispiel auf universelle Kommunikatoren zurückgreifen, welche in der Lage sind, die zu übertragenden Daten im Ausgangssystem in eine verschlüsselte, generische Datenstruktur umzuwandeln. Diese ließe sich dann von einem weiteren Kommunikator im Empfängersystem wieder entschlüsseln, unabhängig davon, welche Systeme konkret an der Kommunikation beteiligt sind. Dabei muss jedoch vor allem darauf geachtet werden, dass die Übertragung der Daten mithilfe einer entsprechenden Logik auf möglichst abstrakter Ebene bewerkstelligt wird, die über simple, starre Wenn-Dann-Regeln hinausgeht. Nur so bleibt sichergestellt, dass die Kommunikation auch dann weiterhin reibungslos funktioniert, wenn Änderungen an einem der beiden Systeme vorgenommen werden.

Eigenkompetenz im digitalen Zeitalter

Auf diese Weise bleibt die Releasefähigkeit der Lösung durchgängig erhalten: Da alle individuellen Anpassungen rein auf Konfigurationsebene umgesetzt werden, können Anwender jederzeit auf die neueste Softwareversion umsteigen, ohne Rücksicht auf eigenentwickelte Anpassungen nehmen zu müssen, die mit dieser unter Umständen nicht kompatibel sind. Insgesamt sinkt so der Wartungsaufwand der Lösung deutlich. Und auch die Implementierung neuer Komponenten wird auf diese Weise vereinfacht: Denn durch die Nutzung des Standards und die Möglichkeit, benötigte Anpassungen selbst durchzuführen, erhalten die Nutzer deutlich mehr Eigenkompetenz und Unabhängigkeit vom ERP-Anbieter. Ganz im Sinne der Digitalisierung wären sie so im Idealfall sogar in der Lage, Komponenten und Module mithilfe von praxisorientierten Dokumentationen oder Video-Tutorials selbst einzuführen und zu konfigurieren – und damit von derselben Flexibilität und Dynamik zu profitieren, die sie von ihrer privaten IT-Nutzung gewohnt sind.


Das könnte Sie auch interessieren:

Mehr Funktionen für Fabrikplaner

In Version 6.2 hat die CAD Schroer GmbH ihre Anlagenbau- und Fabrikplanungssoftware MPDS4 um zahlreiche Funktionen erweitert So wurde die Bedienung überarbeitet und die Schnittstellen für den Datenaustausch ergänzt. Bestandteil der Version sind zudem weitere Kataloge für den Rohrleitungsbau. ‣ weiterlesen

Viele Unternehmen tätigen Investitionen, ohne die energieeffizienteste Investitionsvariante zu berücksichtigen. Oft fehlen ihnen die Zeit und das Know-how, die Informationen für eine fundierte Bewertung zusammenzutragen. In dem vom BMBF geförderten Projekt ‚Ecoinvest‘ hat das Fraunhofer IPA mit zwei Industriepartnern ein Tool entwickelt, das dem Anwender alle relevanten Kriterien wie Kosten, Amortisationszeit oder Förderprogramme anzeigt. Unternehmen erhalten somit die Grundlage für eine ökonomische und gleichzeitig umweltfreundliche Investitionsentscheidung. ‣ weiterlesen

Coscom bindet Esprit CAD/CAM an

Die digitale Werkzeugverwaltung Tooldirector VM von Coscom liefert nun auch Werkzeugdaten für Esprit CAD/CAM. Nach Systemstart aus Coscom Factorydirector VM heraus, werden Informationen wie Maschine, Material, NC-Programmname und so weiter übergeben. ‣ weiterlesen

Den einheitlichen Informationsstandard sichern

Lösungen für das digitale Vertragsmanagement helfen dabei, Fristen im Blick zu behalten und effizient mit Lieferanten zusammenzuarbeiten. Roboterhersteller Kuka setzt dabei auf Extended ECM vom Softwarehersteller Opentext. ‣ weiterlesen

Kaum ein Projekt ohne IoT

Operational und Information Technology wachsen zusammen. Das zeigen immer mehr Leuchtturm-Projekte, die digitale Technik und Produkte gewinnbringend zusammenbringen. Diese Vorhaben braucht es, denn sie inspirieren den gesamten Markt. Hitachi ist auf mehreren Handlungsfeldern aktiv: Der Konzern produziert vom Zug bis zur Baumaschine hochvernetzte Güter und Fertigungstechnik. Dabei beobachtet das Unternehmen, dass kaum ein Industrie 4.0-Projekt ohne IoT-Technik auskommt – und positioniert sich mit der Plattform Lumada auf dem noch jungen Markt. ‣ weiterlesen

Neue Lösungen für den 3D-Druck von Metall

Materialise hat auf der Rapidtech 2017 neue Softwares für die generative Fertigung von Metall gezeigt. Eine davon ist der Materialise Inspector, der Anwender bei der Analyse von anfallenden Bilddaten unterstützt. ‣ weiterlesen