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Umweltfreundliche Entscheidungen

Ökologische Investitionen
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Viele Unternehmen tätigen Investitionen, ohne die energieeffizienteste Investitionsvariante zu berücksichtigen. Oft fehlen ihnen die Zeit und das Know-how, die Informationen für eine fundierte Bewertung zusammenzutragen. In dem vom BMBF geförderten Projekt ‚Ecoinvest‘ hat das Fraunhofer IPA mit zwei Industriepartnern ein Tool entwickelt, das dem Anwender alle relevanten Kriterien wie Kosten, Amortisationszeit oder Förderprogramme anzeigt. Unternehmen erhalten somit die Grundlage für eine ökonomische und gleichzeitig umweltfreundliche Investitionsentscheidung.

Bild: Fraunhofer IPA

Bild: Fraunhofer IPA

Die meisten Investitionen von Unternehmen sind ökonomisch oder gesellschaftlich begründet. Besonders die Energie- und Ressourceneffizienz kommen oft zu kurz. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben Schwierigkeiten, verschiedenen Investitionsvarianten über den Lebenszyklus hinweg mit Blick auf die Umweltbilanz zu beurteilen“, bemängelt Martin Reisinger, Projektleiter am Fraunhofer IPA. Die Folge seien nicht genutzte Energieeffizienzpotenziale und ungeplante Folgekosten wie ein erhöhter Energieaufwand.

Mit Übersicht entscheiden

In dem vom BMBF geförderten, zwei Jahre laufenden Forschungsprojekt Ecoinvest hat das Fraunhofer IPA mit der Unternehmensberatung Ecowin und dem Softwareentwickler Yacontec eine praktikable Lösung entwickelt. Das internetbasierte Tool ‚Ecooption‘ stellt dem Anwender alle Informationen für eine faktenbasierte ökologische Investitionsentscheidung schnell und übersichtlich zur Verfügung. Über die Eingabemaske wird der Nutzer aufgefordert, unternehmens-und projektspezifische Informationen wie Technologie, Investitionssumme, Stammsitz oder Art des Unternehmens anzugeben. Anschließend erhält er alle relevanten Kriterien wie Kosten, Amortisationsdauer, Förderprogramme oder Zuschüsse übersichtlich aufgelistet. „Damit können Unternehmen bessere Entscheidungen treffen und erhalten Anreize, die Umweltbilanz ihrer Produktion zu verbessern“, sagt Reisinger. Ecooption besteht aus einem generischen und einem spezifischen Baustein. Der generische Baustein nimmt eine unternehmensunabhängige Grobbewertung der Investition vor. Damit ist es vor allem kleineren Unternehmen möglich, Energie und Ressourceneffizienz in die Investitionsentscheidung miteinfließen zu lassen. Der spezifische Baustein ist für die tiefergehende und firmenspezifische Detailanalyse verantwortlich. Er ist dementsprechend in Abhängigkeit des Investitionsvorhabens durch Customizing an den Anwendungszusammenhang anpassbar. Mit diesem Vorgehen lassen sich auch komplexe Zusammenhänge des Ressourceneinflusses auf die Investitionsentscheidung abbilden und bewerten.

Individuelle Bewertung

Bei der individuellen Investitionsbewertung unterstützen die Projektpartner das Unternehmen. In einem Begleitprojekt werden alle firmenindividuellen Faktoren der Investition aufgenommen und in dem Bewertungstool abgebildet. Hierdurch lassen sich fundierte Entscheidungsgrundlagen für Investitionen effektiv und kosteneffizient erstellen. Je nachdem, wie intensiv sich das Unternehmen mit dem Thema Energieeffizienz befasst hat, liegen mehr oder weniger gute Daten für die Bewertung vor. Sind die Informationen noch nicht verfügbar, können diese im Begleitprojekt erhoben werden. Der gewählte Modellierungsansatz ermöglicht es, die generischen Grundmodelle durch firmen- oder auch produktspezifische Bewertungsparameter zu erweitern oder zu verfeinern. Um die Investitionen zu analysieren, arbeitet Ecooption mit verschiedenen Methoden. „Wir haben sowohl numerische als auch analytische Verfahren ausgewählt und integriert“, sagt Martin Reisinger. Spezielle Bewertungsmodelle erlauben es, die Kosten der Technologien zu beurteilen. Zum Einsatz kommen neben konventionellen Bewertungsmethoden wie der Amortisationszeit und der Kapitalwertrechnung auch neuere Ansätze aus dem Bereich der Realoptionen. Die ausgewählten methodischen Grundrechnungen wurden darüber hinaus in ein System-Dynamics-Modell überführt und bieten die Grundlage für die ganzheitliche anwendungsspezifische Bewertung. Außerdem hat das Projektteam ein Analysecockpit realisiert, das dem Anwender bei der Interpretation der Daten behilflich ist. „Damit lassen sich Kostenverläufe visualisieren, Investitionsalternativen vergleichen und Lebenszykluskosten berechnen“, so Reisinger.

Um die Investition zu analysieren, arbeitet Ecooption mit verschiedenen Modellen. Hier zu sehen: das Grundmodell einer optionsbasierten Investitionsbewertung. (Bild: Fraunhofer IPA)

Um die Investition zu analysieren, arbeitet Ecooption mit verschiedenen Modellen. Hier zu sehen: das Grundmodell einer optionsbasierten Investitionsbewertung. (Bild: Fraunhofer IPA)

Schneller als gedacht

Entscheidungen, die Unternehmen mit Ecooption treffen können, sind zum Beispiel die Auswahl von Druckluftanlagen. Zahlreiche Firmen erzeugen die Druckluft für ihre Maschinen mit alten Systemen, die viel Strom verbrauchen und die Umweltbilanz negativ beeinflussen. „Mit dem Tool erfahren Unternehmen, dass sich eine neue Anlage oft viel schneller rechnet als ursprünglich angenommen. Weiterhin zeigt es ihnen, welche Lösung am besten passt“, erläutert Reisinger. Dabei lassen sich auch verschiedene Investitionsszenarien abbilden. Auf diese Weise kann das Unternehmen bewerten, welche Ausbaustufe einer Technologie sich derzeit am meisten lohnt. Ecooption eignet sich aber auch für die Beurteilung vieler weiterer Investitionen, zum Beispiel Beleuchtungs- oder Fotovoltaikanlagen. Hierzu wurden entsprechende Grundmodelle aufgebaut, auf deren Basis weitere firmenspezifische Anpassung vorgenommen werden können. Bisher wurde Ecooption im Pilotbetrieb eingesetzt. In einem Folgeprojekt soll die Anwendung weiter getestet und optimiert werden. Ziel der Ausbaustufe ist auch, bestehende Förderprogramme stärker automatisiert zu integrieren. Die Kopplung an eine Förderdatenbank könnte es Unternehmen noch leichter machen, die sich fortlaufend ändernden öffentlichen Finanzierungshilfen in die Bewertung ihres Investitionsvorhabens einzubeziehen. Eine Grundversion der Anwendung können Unternehmen heute schon kostenfrei nutzen. Anschließend stehen das Fraunhofer IPA und seine Partner für individuelle Fragen zur Verfügung und unterstützen Firmen, die Maßnahmen umzusetzen.


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