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Innovation

In vier Schritten zum Geschäftsmodell 4.0

Industrie 4.0 wird bereits groß gefeiert, bevor es wirklich existiert. Tatsächlich liegen in der nächsten industriellen Revolution große Chancen für Unternehmen, neue Wachstumspotenziale zu generieren. Doch wirkliche Geschäftsmodelle für die digitale Fabrik existieren noch nicht. Wie diese Wachstumspotenziale speziell für Automatisierungsanbieter gehoben werden können, verrät der Unternehmensberater und ausgewiesene Kenner der Branche Wolfgang Blome.



Im Bild: Wolfgang Blome. Bild: Blome+Partner

In den von Industrie 4.0 adressierten Branchen der produzierenden Industrie, der Automatisierung und der Elektrotechnik haben althergebrachte Marktmechanismen an Geltung verloren. So lautet der Ausgangspunkt der Analyse von Wolfgang Blome. Er kennt die Branche aus Jahrzehnten praktischer Unternehmensführung bei namhaften Automatisierern. „Nicht wenige Unternehmen in der Automatisierung haben in den letzten Jahren ihren Umsatz im zweistelligen Prozentbereich gesteigert. Gleichzeitig haben sich wesentliche Paradigmen in den Märkten verändert. Fehlende Innovationen oder fehlende Differenzierungsmerkmale, neue Marktteilnehmer und veränderte Anforderungen haben den Wettbewerbsdruck signifikant erhöht.“ Dieser Wandel habe bereits dazu geführt, dass das Wachstum vieler Unternehmen der Automatisierungstechnik in den Jahren 2013 und 2014 nicht die prognostizierte Erwartung erfüllt hat.

Die Karten werden neu gemischt

„Mit Industrie 4.0 werden zudem die Karten im Wettbewerb neu gemischt.“ In nicht wenigen Unternehmen herrsche zudem ein falsches Bild der eigenen Innovationsstärke beziehungsweise Marktrelevanz. Eine Unsicherheit darüber, wie die neuen ‚weißen Felder‘ erobert werden können, verstärke die Gefahr, den kommenden Paradigmenwechsel hin zur Industrie 4.0 zu verpassen. „Zukunftsfähigkeit bedeutet, technologisch weiter zu kommen und traditionelle Komfort-Räume zu verlassen“, erläutert Blome. Erst das eröffne jedoch die Chance, selbst zum innovativen Quereinsteiger zu werden, der sich neue Frei- und Gestaltungsräume für zukünftiges Wachstum im Markt erobert. Mit dem Begriff ‚Industrie 4.0‘ wurde eine Zukunftsvision und ein Paradigmenwechsel in der Industrie eingeläutet. Die Triebkräfte, die hinter der Industrie 4.0 stehen, sind Technologien, die zum größten Teil ihren Ursprung nicht in Deutschland haben und die die Einbindung von IT- und Internet-Technologien in die Produktion forcieren. „Nur wer dies verstanden hat, kann der Vision folgen und für sein Unternehmen neue Wachstumspotenziale erschließen“, so Blome. Auf die Automatisierungstechnik komme damit ein grundlegender Wandel zu, der primär durch die Übertragung technologischer Trends aus den IT- und Internetbereichen getrieben werde. Eine besondere Herausforderung für Unternehmen der Automatisierungsbranche sei es, die Frage zu beantworten, mit welchem Geschäftsmodell der zukünftige Markt der ‚Digital Factory‘ bedient werden solle. „Bei der Erschließung dieses Wachstumspotenzials stehen den Automatisierern neue Mitspieler mit neuen Technologien als Wettbewerber gegenüber, die die Automatisierung als Teilmenge ihres eigenen Angebots betrachten. Die Automatisierer müssen sich somit völlig neuen Herausforderungen stellen, wenn sie die von allen Seiten aufgezeigten neuen Chancen und Potenziale für sich zu einem dauerhaften Wachstumsthema machen wollen“, erläutert er. Die aktuelle Studie von Pricewaterhouse Coopers prognostiziert für Industrie 4.0 ein Investitionsvolumen von jährlich 40 Milliarden Euro bis 2020. Eine Studie des VDE prognostiziert die Realisierung von Industrie 4.0 bis 2025. Die Basis für Wachstum sei also vorhanden.

Hürden auf dem Weg zur Automatisierung 4.0

Jeder, der die Digitalisierung als Wachstumspotenzial identifiziert hat, brauche einen langen Atem und ein passendes Geschäftsmodell für diesen Paradigmenwechsel. Die Zukunft der Automatisierer im Umfeld von Industrie 4.0 hänge neben technologischen Innovationen entscheidend von der Entwicklung passender und neuartiger Geschäftsmodelle sowie einer konsistenten Schaffung von Arbeitsumfeld und stimmigen Aus- und Weiterbildungskonzepten ab. „Die gegenseitige Beeinflussung neuer Technologien und Geschäftsmodelle ist eine der großen Herausforderungen, die vor allem die Automatisierungsunternehmen bewältigen müssen, wenn sie von der Digitalisierung der Industrie als Wachstumsmotor profitieren wollen“, sagt Blome. Die Geschäftsstrategie und ein daraus abgeleitetes Geschäftsmodell für Industrie 4.0-konforme Produkte und Leistungen folge nicht mehr den seit Jahrzehnten bekannten Mustern für Innovationen in der Automatisierungstechnik. In der Vergangenheit hätten technologisch bedingte Paradigmenwechsel dafür gesorgt, dass jeder Automatisierungsspezialist das damit verbundene Innovationspotenzial für sich allein nutzen konnte – Verdrahtungs-programmierte Steuerung zu frei-programmierte Steuerung, SPS zu IPC, mechanisch geregelter Antrieb zu elektronisch geregeltem Antrieb et cetera. Industrie 4.0 sei jedoch keine singuläre Technologie. Das heißt, es kann kein einzelner Hersteller von Automatisierungstechnik für sich einen individuellen Lösungsraum für Industrie 4.0-Produkte und -Leistungen definieren, der dem Anspruch der digitalisierten Produktion genüge. „Industrie 4.0 ist eine netzwerkbasierte, übergreifende Technologie, die nur funktioniert, wenn viele gemeinsam auf der Basis von Standards an dem Thema oder auch Quasi-Standards arbeiten“, analysiert Blome.


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