ANZEIGE
Beitrag drucken

Elektronisches Schichtbuch in der Wafer-Produktion

Effizienter Rohstoffeinsatz

Die Solarwafer der Sovello AG sind 0,2 Millimeter dünne Scheiben aus Silizium. Weil der Rohstoff sehr teuer ist, werden die Wafer so hauchfein wie möglich produziert. Doch je dünner die Scheiben, desto leichter brechen sie bei der Weiterverarbeitung zu Solarzellen. Um bei größtmöglicher Wafer-Stabilität so wenig Silizium wie möglich zu verbrauchen, erfasst das Unternehmen seine Prozessdaten in einem elektronischen Schichtbuch.

Bild: Sovello

Im so genannten Solar Valley Thalheim produziert die Sovello AG. Der Ortsteil von Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt hat sich durch die Ansiedlung von zahlreichen Herstellern der Photovoltaikbranche zu einem der weltweit größten Zentren der Solarbranche entwickelt, am Standort Thalheim arbeiten mehr als 3.000 Menschen. Sovello nahm hier im Jahr 2006 die erste Produktionsstätte in Betrieb, mittlerweile beschäftigen drei Werke insgesamt 1.250 Mitarbeiter.

Die Solarindustrie gehört zu den am schnellsten wachsenden Technologiebranchen. Auch wenn der Trend durch die Finanzmarktkrise unterbrochen wurde, stehen die Zeichen langfristig auf Wachstum, vor allem seit der sich abzeichnenden ‚Energie-Wende‘ nach den Störfällen in Japan, die die Nachfrage nach der Nutzung regenerativer Energien gesteigert hat. „Allerdings ist der Konkurrenzdruck enorm“, schildert Frank Fensch, Teamleiter der Stabsstelle Manufacutring Execution System (MES) bei dem Photovoltaik-Unternehmen, das Solarwafer, Solarzellen und Solarmodule fertigt. „Das liegt zum einen an der Unberechenbarkeit von Förderprogrammen für Solaranlagen und zum anderen an chinesischen Mitbewerbern, die durch eine umfangreiche staatliche Unterstützung bessere Rahmenbedingungen haben“, sagt Fensch.

Datenmenge per Software beherrschen

Um effizienter und damit kostengünstiger zu produzieren, setzt das Unternehmen seit dem Jahr 2009 unter anderem ein elektronisches Schichtbuch ein. „Aktuell ist das Schichtbuch ein Pilotprojekt bei der Solarzellen-Herstellung in der Cell Fab im Werk 3“, sagt Christian Nordhausen, der als Schichtleiter der Fertigungseinheit arbeitet. Hier werden Solarwafer chemisch behandelt und mit elektrischen Kontakten versehen, so dass daraus Solarzellen entstehen, die später zu Modulen zusammengefügt werden. Laufen die hauchdünnen Wafer beispielsweise durch die so genannte Druckerlinie, werden sie mit Metallpasten bedruckt und mit Lötpunkten versehen. Störungen und Stillstände bei diesem Prozess wurden bislang auf Papiervordrucken eingetragen, jetzt werden die Fertigungsdaten in einem elektronischen Schichtbuch digital erfasst. „Dabei arbeitet das Schichtbuch derzeit noch offline, ist also noch nicht direkt in die Anlage integriert, weil für diesen Schritt noch Änderungen seitens des Anlagenherstellers notwendig sind.

Doch auch wenn die Operatoren an den Anlagen die Eingaben in die Software noch manuell vornehmen, ist die digitale Variante schon ein bedeutender Fortschritt gegenüber der alten Papier-Variante“, erläutert Schichtleiter Nordhausen und rechnet vor: „Allein an den vier am Pilotprojekt beteiligten Anlagen entstanden früher acht Zettel pro Schicht, das waren 24 pro Tag und 168 pro Woche. Schon diese Zettel summieren sich auf über 8.700 Blatt Papier im Jahr – Checklisten, Kontrollkarten und Erfassungsbögen nicht mitgerechnet. Insgesamt stellen aber in allen drei Sovello-Werken Hunderte von Öfen Wafer her. Da ist die entstehende Datenmenge nur mit einer Software-Lösung beherrschbar. Jetzt fließt alles in eine zentrale Datenbank ein – aus dem Datenwust auf Papier werden so transparente Informationen.“


Das könnte Sie auch interessieren:

So führt IT neue digitale Geschäftsmodelle zum Erfolg

Anfang November geht es beim IT-Kongress Insight um digitale Geschäftsmodelle und ungenutzte Daten. Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner spricht in seiner Keynote über die Parallelen zwischen Markt und Gipfelsturm.
‣ weiterlesen

Künstliche Intelligenz: Eher Chance als Bedrohung?

77 Prozent der Deutschen glauben, dass künstliche Intelligenz den Alltag erleichtern wird. Das zeigt eine Umfrage von PWC. 58 Prozent der Befragten hoffen durch die neue Technik auf eine Lösung des Fachkräftemangels.
‣ weiterlesen

Die Zeit für Planung, Entwicklung und Produktion von Erzeugnissen wird immer knapper bemessen. Um mit dem Wettbewerb Schritt zu halten, kommen Unternehmen um die IT-gestützte Steuerung der Engineeringprozesse kaum herum. Es geht um die vernetzte Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen am Produkt. Dabei helfen beschriebene Produktstrukturen im digitalen Zwilling. ‣ weiterlesen

Das Fraunhofer IAO lädt Interessierte zum dritten Esslinger Forum ein. Die Veranstaltung soll die Bedeutung des Internets der Dinge deutlich machen.

‣ weiterlesen

Planung und Einkauf entlastet

Präzise Technik fordert vom herstellenden Unternehmen ein hohes Maß an Präzision in allen Prozessen. Beim Spanntechnikhersteller Zeroclamp ist das ERP-System die zentrale Instanz zur Unterstützung dieser Prozesse. Und die Lösung wächst mit dem Erfolg des Unternehmens. ‣ weiterlesen

Erfolg für alle sichtbar machen

Ein mittelständischer Metallverarbeiter aus Rheinland-Pfalz hat mit wenig Aufwand enorme Effektivitätssteigerungen seiner Fertigungsanlagen erreicht. Wichtige Kennzahlen werden nun direkt an der Fertigungslinie dargestellt. ‣ weiterlesen