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Digitale Fabrik im Fahrzeugbau

Informationsbeschaffung deutlich reduzieren mit Delmia V6

Das Konzeptfahrzeug 'Edag Light Car – Open Source' wurde in einem Pilotprojekt weitgehend mit virtuellen Werkzeugen realisiert. Das Verfahren bedeutet einen großen Schritt für die Informationsbeschaffung in Prozess- und Fertigungsplanung.

Bild: EDAG

Das Edag Light Car besitzt ein Karosseriekonzept, das speziell für die neue Gattung der Elektrofahrzeuge unter Verwendung neuester Leichtbauwerkstoffe, Halbzeuge und Fügeverfahren entwickelt wurde. Mit seinem innovativen Lichtkonzept ist das Edag Light Car eines der ersten Fahrzeuge, das die O-LED-Technologie als individuell veränderbares Design- und Kommunikationselement im Außenbereich vorsieht. Der Begriff Light steht hier also für Licht und für Leichtigkeit. Die Edag-Gruppe versteht sich als Partner der internationalen Mobilitätsindustrie. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt umfasst die Komplettentwicklung von Fahrzeugen und Produktionsanlagen. Außerdem ist das Unternehmen als Turnkey-Partner im Anlagenbau und bei der Kleinserienfertigung positioniert.

Um dieses ungewöhnliche zukunftsorientierte Konzept bei Design, Verkehrsleitsystem und Fahrzeugtechnik zu entwickeln und zu realisieren bedienen sich die Teams bei Edag des Softwareportfolios von Dassault Systèmes. Beginnend beim Design bis hin zum fertigen Produkt. Die Bearbeitung umfasst das komplette Manufacturing Lifecycle Management und das Product Lifecycle Management. Beim Edag Light Car erfolgte die Produktentwicklung mit Catia V5. Die Realisierung des Produktionskonzeptes erfolgte mit Delmia V6 – von der Planung der Füge- und Prozessfolge, dem Aufbau der Fertigungszelle, die Robotersimulation bis zur Abtaktung der Fertigungszelle des Edag Light Cars. Die Entscheidung für Delmia V6 begründet Karina Schäfer, Projektleiterin und Fachverantwortliche Digitale Fabrik-Production Solutions, mit den grundsätzlich guten Erfahrungen beim Einsatz der Delmia-Software bei anderen Projekten der Edag. Außerdem erhoffte sie, dass die neue innovative Version V6 ihre Serieneinsatztauglichkeit bei dem Pilotprojekt unter Beweis stellen würde.

Detail-Engineering in drei Phasen

„Das Detail-Engineering bei Edag erfolgt grundsätzlich in einem Drei-Stufen-Modell“, erklärt Karina Schäfer. Die erste Stufe umfasst das Pre-Engineering mit Festlegung der Produktstandards und der Untersuchung der Einflussfaktoren. „Das Pre-Engineering beeinflusst das Produkt hinsichtlich der Anforderungen aus der Produktion.“ In der zweiten Stufe der digitalen Fabrik werden das Concept-Engineering (Erfassung von Mengengerüst, Abläufen und Bibliotheks-Konzeptlayout) und das 3D Detail-Engineering abgebildet. Der dritte Schritt beschreibt schließlich die virtuelle Inbetriebnahme und die Realisierung der Anlage „Unsere Kunden nehmen die Anlage schließlich auch am virtuellen Modell ab“, betont Karina Schäfer.

Die Vorteile dieses Verfahrens mit dem Einsatz von Delmia V6 ergeben sich für die Nutzer durch den Zugriff auf ein durchgängiges Datenmodell, das ohne die oft problematischen Schnittstellen auskommt. „Beim Edag Light Car haben wir Delmia V6 erstmals in einem Pilotprojekt eingesetzt“, erklärt Planer Torben Möller von Edag. Die Nutzbarkeit im Vergleich zu V5 beschreibt er als einfacher: „Der Produktentwickler legt ja in der Regel die Struktur fest, wie die einzelnen Teile zusammengesetzt werden. Bei V6 ist die Bedienbarkeit einfacher als bei V5, denn die benötigten Bauteile und Elemente lassen sich intuitiv per Drag-and-drop verwenden und zum Beispiel in die Füge-oder Prozessfolge integrieren.“ Grundsätzlich ist Delmia V6 so konzipiert, dass es in Verbindung mit Enovia eine datenbankbasierte Planung erlaubt. Beim Edag Light Car wurde in Verbindung mit der Datenbank die einfache und intuitive Bedienbarkeit der Planungssoftware genutzt und getestet.

Fertigungszelle für das Elektrofahrzeug: Auf Basis der Daten aus der Produktentwicklung werden Fertigungsprozess und -layout in einem Drei-Phasen-Projekt beschrieben. Die Kunden nehmen die Anlage anschließend direkt am virtuellen Projekt ab. Bild: EDAG

Wirklichkeitsnahe Darstellung der Fertigungsprozesse

Das erfolgreiche Pilotprojekt zeigt auch noch weitere Verbesserungen für die tägliche Arbeit der Anwender. Die ‚lifelike experience‘, also die wirklichkeitsnahe Darstellung verschafft dem Anwender einen besseren Überblick über die Zwischenprodukte sowie eine höhere Transparenz des Fertigungsprozesses. Hier bieten die V6-Lösungen leistungsstarke, benutzerfreundliche Such- und Navigationsmöglichkeiten an, um die gewünschten Informationen überall online abzurufen und in realistischen 3D-Umgebungen darzustellen, die die Menschen intuitiv verstehen, weil sie ihrer Lebenswirklichkeit entsprechen. „V6 erschließt völlig neue Anwendungshorizonte für 3D. Dies zeigt sich zum Beispiel auch bei der einfachen und intuitiven Abbildung der Fügefolgen aus der EBOM per Drag-and-drop, eine große Erleichterung bei der Arbeit“, betont Torben Möller. Die hier beschriebenen Vorteile von Delmia V6 lassen sich nach Abschluss der Pilotphase sicherlich auch auf die tägliche Praxis übertragen, wenn es zu regelmäßigen Einsätzen kommt.

3D erleichtert die Bearbeitung

Da die Zuordnung der Prozesse bei den vordefinierten und geplanten Ressourcen in 3D erfolgt, vereinfacht sich die Projektbearbeitung erheblich. „Durch den Einsatz von 3D wird die Anwendung zum Beispiel für den Planer einfacher, verständlicher und effizienter“, resümiert Torben Möller. Insbesondere die Informationsbeschaffung lässt sich mit geringerem Aufwand realisieren. „Wenn tatsächlich alle Daten beim Einsatz von V6 vorhanden sind, lässt sich die eigentliche Arbeit des Planers, also der kreative Anteil seiner Tätigkeit deutlich erhöhen, denn bei Delmia V6 ist der Prozess der Informationsbeschaffung bei der Planung erheblich transparenter.“, fasst Torben Möller zusammen.


Bei der Entwicklung des Karosseriekonzepts kommen Werkstoffe, Halbzeuge und Fügeverfahren zum Einsatz, die speziell für das neue Elektrofahrzeug entwickelt wurden. Bild: EDAG

Verknüpfte Prozesse im IT-System

Abschließend lässt sich feststellen, dass mit V6 im Vergleich zu V5 das Erstellen der Fügefolgen, das Verknüpfen von Prozessen und Ressourcen und die Erstellung der Prozessfolgen einfacher realisieren lassen. Dennoch bestehen noch weitere Anforderungen, damit noch besser auf die Produktionsbelange eingegangen werden kann. Die erfolgreiche, konstruktive und enge Kooperation zwischen dem Anbieter und Edag wird sicher im Laufe des Jahres zu weiteren Optimierungen beim Einsatz von Delmia V6 führen. „Wir sind mit Dassault Systèmes in einem engen Dialog, um mit Hilfe der Erfahrungen aus dem Edag Light Car Projekt Delmia V6 noch weiter für den produktiven Projekteinsatz zu verbessern“, resümiert Karina Schäfer.


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